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Reallabore zur Erprobung autonomer Mobilität

China macht es vor. In Peking werden seit Oktober 2020 zahlreiche autonome Fahrzeuge im Straßenverkehr unter realen Bedingungen getestet. Sogenannte Reallabore sollen dazu dienen, die Entwicklung selbstfahrender Autos schneller und effizienter voranzutreiben. Im internationalen Wettbewerb liegt China, was Verbrennungsmotoren angeht, hinter der europäischen und amerikanischen Konkurrenz. Im Bereich der elektrifizierten Mobilität gilt das Land jedoch als Innovationstreiber. In diesem Zusammenhang bewilligt die chinesische Regierung zunehmend öffentliche Tests autonomer Fahrzeuge mit geringeren Kontrollinstanzen. Ein solches Vorgehen ist zwar produktiv, jedoch auch mit nicht unerheblichen Risiken verbunden, weshalb in jedem Testfahrzeug ein Sicherheitsbegleiter sitzen muss, der jederzeit manuell eingreifen kann. Welche Risiken damit verbunden sind, zeigt ein Fall aus dem Jahr 2018, bei welchem eine Fußgängerin in Peking von einem autonom fahrenden Fahrzeug erfasst und getötet wurde. Dieses wies einen Fehler in der Software auf, welcher zu dem Unglück führte. Neben Peking werden darüber hinaus die Städte Shenzhen, Shanghai und Zhengzhou für großflächige Realtests verwendet. Zur Akzeptanzsteigerung sind die Fahrzeuge in Peking als Transportmittel für die Bevölkerung frei nutzbar. [1]

In Deutschland wird dieses Thema weitaus restriktiver behandelt aber dennoch gewinnt die Thematik auch hier an Relevanz, wie das Ergebnis einer Arbeitsgruppensitzung des Strategiedialogs der Landesregierung Baden-Württemberg vom 05.05.2021 zeigt. Hierbei wurde das Themenfeld des automatisierten Güter- und Lieferverkehrs in den Fokus genommen, was sich auf ein zuvor herausgegebenes Güterverkehrskonzept des Landes bezieht. Automatisierung im Mobilitätssektor wird Baden-Württemberg als einer der zentralen Treiber des Wandels der Mobilitätswirtschaft gesehen und soll nun priorisiert gefördert werden. Dies soll in Zukunft ebenfalls durch Erprobungen in Reallaboren erfolgen. So zum Beispiel bei der Zustellung von Paketen, bei welchen autonome Kleinstfahrzeuge zum Einsatz kommen sollen, um Sendungen vom autonomen Anlieferfahrzeug zur Paketannahmestelle der Kund*Innen zu transportieren. Zur Risikominimierung für Unbeteiligte sollen gering frequentierte Testflächen, wie Gewerbegebiete genutzt werden, da an solchen Stellen weniger Konfliktpotenzial mit dem Fußverkehr zu erwarten sei. [2]

Auch Nordrhein-Westfalen hat erkannt, dass die zukünftige, hoch automatisierte Mobilität unter möglichst realen Bedingungen erprobt werden muss. So gibt es bereits Möglichkeiten, autonome Fahrzeuge großflächigen Tests zu unterziehen. Beispielsweise auf einem der zwölf Streckenabschnitte des Aldenhoven Testing Centers – einem interdisziplinären Testzentrum für Mobilität. Auch im Realverkehr sind (lokal stark eingeschränkt) selbstfahrende Vehikel zu finden. So werden bereits seit Februar 2020 autonome Busse in der Stadt Monheim eingesetzt. Allerdings wird auch hier, genau wie bei diversen anderen Projekten, durchgehend ein Fahrer benötigt, um im Ernstfall eingreifen zu können.[3]

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es nach wie vor ein Risiko bleibt, Tests mit autonomen Fahrzeugen auf öffentlichen Verkehrsflächen durchzuführen. Wenn allerdings in manchen Teilen der Welt über längere Zeiträume Erfahrungen gesammelt werden können, besteht auf der anderen Seite die Gefahr, hierzulande nicht am „Puls der Zeit“ die Innovationen voranzutreiben. Ein Mittelweg könnte in einer Einigung zwischen Herstellern, Behörden und der Politik liegen, bei welcher die Entwicklung nicht gebremst wird. Ein Anfang könnte darin bestehen, zumindest großflächige Versuche autonomer Kleinstfahrzeuge, wie bei der Paketverteilung, zu fördern und bei möglichst geringem Risiko im Straßenverkehr realitätsgetreue Expertisen zu sammeln. Durch die Verabschiedung des Gesetzes zum autonomen Fahren in Deutschland könnte diesbezüglich ein wichtiger Schritt unter rechtssicheren Bedingungen gemacht werden.


[1] https://worldunion.info/china-erlaubt-testlabor-fuer-autonomes-fahren/

[2] https://stm.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/chancen-fuer-autonomes-fahren-im-gueter-und-warenverkehr/

[3] https://rp-online.de/nrw/panorama/autonomes-fahren-nrw-verkehrsminister-hendrik-wuest-fordert-gesetzentwurf_aid-52035969

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