kontakt@camo.nrw +49 202 / 439 1164

Potenziale von Automatisierten Shuttlebussen nutzen

Unter dem Titel „Automatisierte Shuttlebusse: Heilsbringer oder Illusion für Kommunen?“ fand am Mittwoch, den 18.08.2021 die zweite Veranstaltung im Rahmen unserer camo.events-Reihe statt. Die Zielsetzung: Chancen und Risiken des Einsatzes von automatisierten Shuttlebussen für Entscheider*innen und Mitarbeiter*innen von Kommunen aufzeigen und somit die Planung und Umsetzung zu unterstützen.

Knapp 50 Teilnehmer*innen waren dabei, als Per Kohl, Vertreter von camo.nrw, den „Shuttlebus-Guide“ vorstellte und neben technologischen auch organisatorische sowie strategische Schlüsselfaktoren für Kommunen und Verkehrsbetriebe benannte. Im Anschluss an diesen Impulsbeitrag, wurde den Experten aus der Praxis das Feld überlassen. Manuel Weniger von der Stadt Iserlohn und Markus Becker von den Stadtwerken Iserlohn berichteten über die jüngsten Erfahrungen, die bei der Konzeption und Durchführung des Pilotprojekts “ a-BUS Iserlohn “ gemacht werden konnten. Ohne Teamwork und langen Atem wäre die Ausgestaltung eines solchen Pilotprojektes, welches eine Vielzahl an Beteiligten Akteuren vereint, so nicht möglich gewesen. Auch die Entwicklung neuer Geschäftsfelder, welche über die klassische Personenbeförderung hinausgehen, ist in ihren Augen notwendig, um einen langfristigen und nachhaltigen Betrieb von autonomen Shuttlebussen sicherstellen zu können. Als besondere Herausforderung für die Region Iserlohn stellten sie die Schaffung von bedarfsgerechten und funktionalen Infrastrukturen – gerade im ländlichen Raum – heraus.

Ähnliche Erfahrungen konnte auch Holger Michaelmann von der Interlink GmbH berichten, welcher bereits viele Shuttlebus-Projekte begleitet hat. In Lauenburg an der Elbe wurde im Rahmen des Projektes TaBuLa ein Testzentrum für automatisiert verkehrende Busse eingerichtet. Die dort eingesetzten Busse fügen sich fast nahtlos in den fließenden Verkehr auf der Route zwischen Oberstadt und Altstadt ein und transportieren täglich eine Vielzahl an Passagieren. Herausforderungen wie Kopfsteinpflaster und besondere topografische Beschaffenheiten meistern die Shuttlebusse nach einer Anlernphase und intensiver Begleitung mittlerweile selbstständig. Im Projekt NAF-BUS wurden autonom fahrende Shuttlebusse an drei Standorten in Schleswig-Holstein eingesetzt und getestet. Die drei Szenarien Beförderung von Touristen, Shuttlebus auf einem Firmencampus und Beförderung von Passagieren zwischen 2 Kommunen konnten dabei gut umgesetzt werden und wurden von den jeweiligen Nutzergruppen gut akzeptiert.

In seiner Schlussbetrachtung ging Herr Michelmann auf aktuelle Herausforderungen des Betriebs automatisierter Shuttlebusse ein. Hier stellte er insbesondere den hohen Betreuungsaufwand für die Systeme und die in diesem Zusammenhang stehenden technischen Beschränkungen der Fahrzeuge in den Vordergrund, die aus seiner Perspektive einen Echtbetrieb abseits von Pilotprojekten, nach heutigem Stand, unmöglich erscheinen lassen. Er stellte jedoch auch heraus, dass sich viele Projekte realisieren lassen, wenn man über ein gutes Netzwerk verfüge und frühzeitig alle relevanten Stakeholder integriert und durch interdisziplinäre Teams eine effektive Dynamik schafft.

Mit Emanuele Lenoetti vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen reihte sich ein weiterer Brancheninsider in das Feld der Referenten ein. Sein Vortrag legte den Fokus auf die Rolle automatisierter Shuttlebusse für Verkehrsbetriebe. Er stellte heraus, dass bei der Mobilität der Zukunft nicht nur die erste bzw. letzte Meile betrachtet werden müsse. Vielmehr müsse es Ziel sein, bedarfsgerechte Angebote zu schaffen, die nicht zwingend in die heutigen Mobilitätskategorien eingeordnet werden können. Auch wenn der urbane Raum bei der Entwicklung und der Umsetzung von autonomen Mobilitätslösungen über einen klaren Standortvorteil verfüge, können diese auch in ländlichen Regionen umgesetzt werden. In allen Fällen ist es jedoch wichtig, die entsprechenden Zielgruppen und deren Bedarfe genau zu kennen, um ein nachhaltiges und zielgerichtetes Angebotsspektrum zu schaffen.

Insbesondere der Aspekt des ländlichen Raums wurde auch im darauffolgenden Expertenpanel adressiert. Holger Michelmann hob hier noch einmal hervor, dass aktuelle Rechtsvorschriften sowie technologische Möglichkeiten die Umsetzung autonomer Lösungen in nicht urbanen Gebieten nahezu unmöglich machten. Die Landstraße sei „die Königsdisziplin“ des automatisierten Fahrens.

Angesprochen auf Barrieren zur Umsetzung von automatisierter Mobilität waren sich alle Referenten einig: Die Politik spielt eine entscheidende Rolle, wenn es um die Schaffung von Möglichkeiten und die Umsetzung von Projekten in diesem Themenkomplex geht. Darum ist es wichtig, frühzeitig alle potenzielle Stakeholder – neben Politikern und Entscheidern – auf kommunaler Ebene in Planungs- und Entwicklungsprozesse einzubinden. So ist es möglich, ganzheitliche Konzepte zu schaffen, politischen Rückhalt und vor allem auch finanzielle Sicherheiten über den Projektverlauf hinaus zu gewährleisten.

Das Format des camo.event ist eine von uns geschaffene Plattform, um aktuelle Mobilitätsthemen unter besonderer Berücksichtigung der automatisierten Mobilität in den Fokus von Kommunen und Mobilitätsanbieter zu rücken. Frei nach dem Credo: Heute schon an Morgen denken.

Markus Schroll, camo.nrw

Vortragsunterlagen der Referenten zum Download:

Weitere Informationen zu den vorgestellten Projekten finden Sie auf den jeweiligen Webseiten der Projekte/Initiativen:

Abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter, um über aktuelle Entwicklungen rund um die Mobilität der Zukunft auf dem Laufenden zu bleiben: https://www.camo.nrw/newsletter/

Verwandte Artikel

Corona-Pandemie als Innovationstreiber des ÖPNV? Kommunen und Verkehrsbetriebe rüsten sich für die Zukunft!

COVID-19 verändert unser Mobilitätsverhalten: Die meisten Bürger*Innen greifen, sofern möglich, auf Alternativen zu öffentlichen Verkehrsmitteln zurück. Sie steigen auf das Fahrrad oder den eigenen PKW um oder gehen zu Fuß. Eine Umfrage des camo.nrw bei […]

Mehr erfahren

Beitrag zur Erklärbarkeit von neuronalen Netzwerken

Auf der diesjährigen „Conference on Computer Vision and Pattern Recognitio“(CVPR), eine der weltweit wichtigsten Konferenzen für Bildverarbeitung und Mustererkennung, stellen Prof. Dr.-Ing. Anselm Haselhoff und Jan Kronenberger (beide camo.nrw) im Rahmen des Workshops SAIAD (Safe […]

Mehr erfahren

Erfolgreicher Kick-Off: „Kompetenzzentrum Autonomes Fahren“ geht an den Start

„Kompetenzzentrum Autonomes Fahren“ heißt ein neues Projekt des Instituts für Systemforschung der Informations-, Kommunikations- und Medientechnologie (SIKoM+), das mit einem offiziellen Kick-Off am vergangenen Freitag gestartet ist. In Kooperation mit der Hochschule Ruhr West sowie […]

Mehr erfahren