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Fit für die Mobilitätswende: Die digitale Transformation in Kommunen erfolgreich gestalten

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Die Mobilitätswende ist in vollem Gange. Klimawandel, Urbanisierung und demographischer Wandel verändern die Anforderungen an die Mobilität von morgen. Eine entscheidende Rolle für die Mobilitätsgestaltung kommt dabei den Kommunen zu. Sie stehen vor der Herausforderung, allen Bürger*innen ein bedarfsgerechtes Mobilitätsangebot bereitzustellen. Und Mobilitätsdienstleister müssen innovative Mobilitätskonzepte und konkrete Maßnahmen entwickeln, um mit neuen Produkten und Dienstleistungen eine bedarfs- und klimagerechte Mobilität zu schaffen.

Zum Thema  „Fit für die Mobilitätswende: Die digitale Transformation in Kommunen erfolgreich gestalten“ hatten der Lehrstuhl für Technologien und Management der Digitalen Transformation (TMDT) und das Institut SIKoM der Bergischen Universität Wuppertal, zusammen mit der Neuen Effizienz am Dienstag, den 15.02.2022 zu einem virtuellen Workshop-Nachmittag eingeladen. Dabei wurden die aktuellen Entwicklungen rund um die Zukunft der Mobilität gemeinsam mit den Teams von Rethinking.Mobility, der Plattform für den Dialog und die Aufklärung zum Thema Smart Mobility im Projekt Bergisch.Smart_Mobility (www.rethinking-mobility.de) und von camo.nrw, dem Centrum für automatisierte Mobilität in NRW (www.camo.nrw)  diskutiert.

Der Fachworkshop mit über 90 Teilnehmer*innen wurde eingeleitet durch einen Impulsvortrag von Prof. Dr.-Ing. Tobias Meisen, Inhaber des Lehrstuhls für TMDT, der in seinem Beitrag insbesondere die zentrale Rolle des Menschen bei der digitalen Transformation hervorhob. Mit Blick auf die Umgestaltung im Mobilitätssektor ging er auch auf hemmende Faktoren wie die enormen Kostenaufwände für infrastrukturelle Voraussetzungen, die Schaffung von einheitlichen Konzepten und Standards sowie von Akzeptanz und Transparenz für Bürger*innen ein.

Im Anschluss zeigten Dr. Michael Krause und Dr. Kathrin Krosch, ausgehend von idealisierten Visionen, die die „schöne neue Welt“ der Mobilität  mit Robotertaxis oder KI-gesteuerten Drohnen vermitteln, wie im Rahmen der Projekte camo.nrw und Rethinking.Mobility die Mobilität im Bergischen Städtedreieck, u.a. durch Informations‑, Beratungs‑, Qualifizierungs‑ und Partizipations-Angebote, in der Realität zukunftsorientiert (mit)gestaltet wird. In den darauffolgenden Workshop-Sessions wurden gemeinsam mit den Teilnehmer*innen Fachthemen vertiefend behandelt. Neben der Automatisierung und Vernetzung von Individualverkehr und ÖPNV, ging es dabei um Formate und Formen der Partizipation sowie Lösungsansätze zur Begegnung von Herausforderungen und Chancen der Smart Mobility.

  • Workshop: Die Zukunft des Individualverkehrs: Alles automatisiert und vernetzt?
    Auch wenn sich neue Mobilitätsdienstleistungen und Technologien wie das automatisierte und vernetzte Fahren in den kommenden Jahren durchsetzen, wird der Individualverkehr auch in Zukunft einen bedeutenden Anteil im Modal Split einnehmen. Vor diesem Hintergrund stand die Frage „Was können Kommunen in den nächsten Jahren tun, um automatisierte und vernetzte Mobilität im Individualverkehr zu ermöglichen?“ im Mittelpunkt des Workshops.

    Die Mehrheit der Workshopteilnehmer*innen war sich einig, dass Kommunen und Hersteller gemeinsam in der Verantwortung sind, die benötigte Infrastruktur aufzubauen und zu unterhalten. Die Erfahrungen und Ideen der Teilnehmenden waren sehr vielfältig: Neue Technologien sollten offensiv für die Beschleunigung der Verkehrswende genutzt werden – aber unter der Maßgabe, dass diese auch nachhaltig sind und z.B. durch intermodale Schnittstellen in bestehende Angebote integriert werden. Als ein wichtiger Anwendungsfall für automatisierte Mobilität wurde auf den ländlichen Raum hingewiesen. Mit Blick auf die Umsetzung wurden einige Herausforderungen speziell in den Kommunen genannt: so stehen die organisatorische Verankerung des Themas Mobilität, das häufig auf verschiedene Ressorts verteilt ist, aber auch Personalmangel einer ganzheitlichen und schnellen Umsetzung der Verkehrswende entgegen. Hinzu kommt die schwierige Aufgabe, tradierte Mobilitätsmuster, die auf den motorisierten Individualverkehr resp. das Auto ausgerichtet sind, aufzubrechen.

  • Workshop: Wie gelingt der Weg zum Smart Citizen? Formate und Formen von Partizipation
    Basierend auf der Vorstellung einiger Projektergebnisse und einer kurzen Einführung zu Bürger*innenpartizipation als eine notwendig zu entwickelnde Ressource in der Agenda Smart City, bot der Workshop Einblicke in spezifische Partizipationsformate und Formen. Partizipation, nicht nur als mitentscheiden oder mitentwickeln, sondern als gemeinsames Entscheiden und gemeinsames Entwickeln, steht vor der Herausforderung unterschiedliche Personengruppen anzusprechen. Eine partizipationsorientierte Entwicklungsstrategie umfasst sowohl traditionelle Informations- und Dialogformate als auch Umfragen und Studien sowie weiterführende Formen der Bürger*inneneinbindung. Das können neben Plattformen, die den Dialog und die Diskussion fördern, ebenso Ansätze der Co-Creation sein, die die neuen Möglichkeiten digitaler Technologien nutzen und ausloten. Dies kann beispielsweise über Gamification-Ansätze oder Hackathons gelingen, in denen die Menschen ihr Know-how einbringen und eigene Ideen für ihre Region entwickeln. Abschließend wurde ein Ausblick gezeichnet, in dem Formate wie das vorgestellte Onlinespiel oder Micro-Hacks in alltägliche Mobilitäts-Apps integriert werden könnten. Zur Erreichung einer solchen „Smarticipation“ braucht es neben einem langen Atem vor allem den Mut neue Formate und Formen umzusetzen. Zudem gilt es entsprechende Grundlagen zu schaffen, um Diskussionsfähigkeiten, Konsens und Deliberation zu fördern.
  • Workshop: Automatisierter und vernetzter ÖPNV
    Im Workshop wurde deutlich, dass die Umsetzung der automatisierten Mobilität im öffentlichen Personennahverkehr eine sehr komplexe Angelegenheit ist. Es gibt eine Vielzahl von Akteuren und Handlungsfeldern, die eine Fülle von sehr unterschiedlichen Herausforderungen und Problemen mit sich bringen. Diese reichen beispielsweise von der Akzeptanz potenzieller Nutzer*innen über die Finanzierung der zu tätigenden Investitionskosten bis hin zu Themen wie Barrierefreiheit oder Datenhoheit.

    Ein Großteil der Workshop-Teilnehmer*innen steht der automatisierten und vernetzten Mobilität nach eigenen Angaben befürwortend gegenüber oder gestaltet sie bereits proaktiv mit. Daher ist es nicht verwunderlich, dass es in dem Workshop auch schon mögliche Herangehensweisen bzw. Lösungsansätze und -wege für die identifizierten Herausforderungen und Probleme gab: Ein zentraler Aspekt, der mehrfach angesprochen wurde, sind zum Beispiel Testfelder, in denen sowohl Anbieter als auch Nutzer*innen die neuen Angebote ausprobieren und so erste Erfahrungen sammeln können. Ein weiterer Aspekt, dem große Bedeutung beigemessen wird, ist der Erfahrungsaustausch zwischen Projekten.

    Tiefergehende Informationen zur Umsetzung von Projekten mit Bezug zur automatisierten Mobilität können Sie unserem „camo.guide: Automatisierte Shuttlebusse“ entnehmen. Darin werden Ihnen am Beispiel von automatisierten Shuttles konkrete Vorgehensweisen für die erfolgreiche Umsetzung von Shuttlebus-Projekten bereitgestellt sowie Praxisbeispiele mit erprobten Vorgehensweisen aufgezeigt.
  • Workshop: Wie begegnen wir Herausforderungen und Chancen der Smart Mobility? Szenarien für die Region
    Der Workshop wurde von Rethinking Mobility-Projektmitarbeiter*innen vom Lehrstuhl für TMDT zusammen mit der Neuen Effizienz gehalten. Im Rahmen des Projektes wurden Transfergespräche mit verschiedenen Projektmitarbeiter*innen des Projekts Bergisch.Smart_Mobility geführt. Aus diesen Gesprächen wurden drei Positiv-Szenarien abgeleitet, die in dem Workshop präsentiert wurden: Zunächst präsentierten Sven Matika und Samuel Schelp ein Big Picture des Projekts Bergisch.Smart_Mobility und gingen in ihrem Szenario auf die Schnittstellen-Aspekte ein. Im Anschluss präsentierte Philipp Lutz das Szenario der Wuppertaler „Hol mich App“ und ging auf die besonderen Aspekte bei der Einführung von On Demand Verkehr ein. Den Abschluss bildete das „Digitaler Zwilling“-Szenario von Dr. Kathrin Krosch. Hier wurden neben den möglichen Datenquellen auch Herausforderungen und Chancen aufgezeigt. 

    Die Szenarien werden im Rahmen des Projekts Bergisch.Smart_Mobility Ende März detailliert verschriftlicht veröffentlicht.

Aftermovie:

Der Workshop-Nachmittag bot den Teilnehmer*innen eine Plattform, um Handlungsbedarfe, aber auch erste Lösungsansätze zu identifizieren. Die Präsentationen und Diskussionen geben den Akteuren erste Impulse, um aktuelle Mobilitätsthemen unter besonderer Berücksichtigung der automatisierten Mobilität in den Fokus zu rücken und können als Orientierungshilfe für eigene Projekte bzw. Vorgehensweisen dienen. Frei nach dem Credo: Heute schon an Morgen denken.

Eins wurde jedoch auch deutlich: ein intensiver Meinungs- und Erfahrungsaustausch ist weiterhin notwendig, um die Entwicklung, Planung und Umsetzung der Mobilität von Morgen weiter voranzutreiben.

Tolle Veranstaltung vor allem Dank der beeindruckenden Fülle der Beiträge der Teilnehmenden. Hilfreiche Kommentare und spannende Fragen des Publikums sind Ansporn und Herausforderung für uns am Lehrstuhl TMDT und an der BUW, die Zukunft der Mobilität weiter zu denken und mitzugestalten. Fit für die Mobilitätswende? Aber ganz sicher, wenn wir alle an einem Strang ziehen sowie Vielfalt mitdenken und zulassen. Vielen Dank an alle Beteiligten.

Markus Schroll, Moderator des Workshops

Vortragsunterlagen der Referenten zum Download:

Graphic Recording: Tobias Wieland

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