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City Brain zum Aufbau neuer Infrastruktur für zukünftige Städte

Entwicklungen zum autonomen Fahren sind in Asien z. T. bereits sehr weit fortgeschritten. In vielen Orten sind Robotaxis hier schon heute für die Allgemeinheit zugänglich. Allein in Peking testen 14 Technologieunternehmen auf 200 öffentlichen Straßen autonome Fahrzeugsysteme. Der neuste Innovationsstandort in Japan ist die „Woven City“, welche vom Autohersteller Toyota errichtet wird und als lebendiges Labor für Zukunftstechnologien dienen soll. Die Schwerpunkte liegen bei Smartem und Vernetztem Wohnen, Cloud-Diensten, Robotik, Autonomem Fahren und vielem mehr. In China ist die technologische Entwicklung sogar noch weiter fortgeschritten. Die Implementation von Smart-City-Technologien erfolgt hier bereits in bestehende Infrastrukturen. Dazu wurden vor kurzem mehrere Metropolen als Pilotstädte ausgewählt, die Vorbild für alle Städte in China werden sollen. Die technologischen Bestandteile zur Implementierung lassen sich in die Kategorien Big Data und Bürger-Cloud, Smarte Bezahlsysteme, Vernetzte Infrastruktur sowie das sogenannte „City-Brain“ und das Autonome Fahren aufteilen.

Dabei hängen die Kategorien eng zusammen: 

BigData-Methoden erkennen beispielsweise, dass sich zu viele Menschen in einem Bereich der Stadt aufhalten. Die Bürger Cloud routet Tourismus-Anfragen deshalb in einen anderen Stadtteil um. Ein gebuchtes Robotaxi umfährt durch die intelligente Infrastruktur den Stau und kann dadurch den Verkehr entlasten. Am Ende bezahlt der Kunde bequem per Gesichtserkennung.

In der Metropole wird der gesamte Verkehr durch Videokameras aufgezeichnet. Es erfolgt beispielsweise eine Analyse vom Verkehrsaufkommen in Abhängigkeit zur Uhrzeit, Fahrtgeschwindigkeiten der individuellen Verkehrsteilnehmer oder Richtungswechsel an Kreuzungen und Einmündungen. Zusätzlich sind alle öffentlichen Verkehrsmittel und Taxis mit Hardware zur Vernetzung ausgestattet und speisen ihre Bewegungsdaten in das System ein. Ein KI-System wertet alle Daten zentral aus und steuert den Verkehr, z.B. durch Ampelschaltungen, in Echtzeit. Damit soll Stau minimiert werden und eine Priorisierung von Einsatzkräften der Polizei und Feuerwehr erfolgen. Zusätzlich zu den Videoaufnahmen wurden in Guangzhou smarte Verkehrsschilder und Ampeln implementiert, die direkt mit autonomen Fahrzeugen kommunizieren. Fahrzeuge erhalten darüber frühzeitig Signale und können sich ausrollen lassen, bevor eine Ampel sichtbar umschaltet. Im Bereich der intelligenten Infrastruktur gibt es bereits einige erfolgreiche Projekte, wie beispielsweise das „City Brain“ in Hangzhou – ein Projekt des Internet-Riesen Alibaba. Es ist bereits in über 20 Städten implementiert und die Maßnahmen zeigen durchaus ihre Wirkung: Ein Rettungswagen erreicht durch die smarte Verkehrssteuerung durchschnittlich 7 Minuten früher den Einsatzort.

Die Erprobung automatisierter und vernetzter Mobilität findet in vielen Bereichen nicht nur in dedizierten Testfeldern und -strecken statt, sondern ist bereits in ein ganzheitliches Ökosystem eingebunden. Infrastrukturen, wie vernetzte Ampeln, die auch in einzelnen Städten Deutschlands eingeführt wurden, sind mit einem Zentralrechner verbunden, in den sämtliche weitere Informationen, wie Bewegungsdaten des ÖPNV, einfließen. 

Quellen: 

Alibaba (China) Co., Ltd. 2021. „City Brain Lab“. Abgerufen 16. Juni 2021 (https://damo.alibaba.com/labs/city-brain).

China Money AI. 2021. „Analysis Of Beijing’s Autonomous Driving Report: 2.2 Million Test Kilometers, 87 Vehicles, 14 Firms“. 09.02.2021.

Josef Erl, MIXED.DE – MIXED REALITY NEWS. 2021. „Chinas Smart Citys: Wie viel SciFi ist heute schon real?“ 30.05.2021.

Woven Planet Holdings, Inc. 2021. „Toyota Woven City“. Abgerufen 16. Juni 2021 (https://www.woven-city.global).

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